Aktuelles

Informationen & Presseberichte im Überblick

 

22.November 2018
Netzwerk Straffälligenhilfe im Gespräch mit der Fraktion der Grünen

Am Donnerstag, den 22. November 2018, war die Steuerungsgruppe des Netzwerks Straffälligenhilfe in Baden-Württemberg zu Gast beim Arbeitskreis „Recht und Verfassung“ der Landtagsfraktion der Grünen. Das Netzwerk Straffälligenhilfe in Baden-Württemberg ist ein Zusammenschluss von drei Dachverbänden, deren Mitgliedsvereine in der Straffälligenhilfe engagiert sind.

Das Netzwerk Straffälligenhilfe präsentierte den Vertretern des Arbeitskreises „Recht und Verfassung“ der Landtagsfraktion der Grünen die Leistungsangebote der freien Straffälligenhilfe, welche durch die angeschlossenen Mitgliedsvereine in ganz Baden-Württemberg sichergestellt werden.

Dabei wurde erneut deutlich, dass es im Netzwerk Straffälligenhilfe Baden-Württemberg bereits bestehende Strukturen gibt, welche ein umfangreiches Hilfenetz an Leistungsangeboten bereithalten. Diese leisten gezielt und nachweislich Unterstützung bei der Resozialisierung von Gefangenen auf dem Weg zurück in ein straffreies Leben. In diesem Zusammenhang wurde auch die Kooperationsvereinbarung erörtert, welche verbindliche Strukturen bei der Integration von Straffälligen und Sicherheitsverwahrten in Baden-Württemberg schafft. Darüber hinaus hat die freie Straffälligenhilfe ihr Angebot über die Jahre den bestehenden Bedarfen angepasst und leistet neben den Kernaufgaben der Resozialisierung einen wesentlichen Beitrag in der Präventionsarbeit und dem Opferschutz sowie weiteren speziellen Hilfeformen.

Zu den Leistungsangeboten der freien Straffälligenhilfe

Die Vertreter des Netzwerks und des Arbeitskreises „Recht und Verfassung“ der Landtagsfraktion der Grünen sind sich einig, die bereits geschaffenen Strukturen müssen in Baden-Württemberg unbedingt beibehalten werden. Darüber hinaus gilt es, eine klare Verstetigung der einzelnen Leistungsangebote dauerhaft sicherzustellen, um die Leistungsangebote der freien Straffälligenhilfe auch künftig in einem vernetzten Hilfesystem sicherzustellen.

Der rechtspolitische Sprecher der Fraktion der GRÜNE, Jürgen Filius MdL, sprach dem Netzwerk und den angeschlossenen Mitgliedsvereinen seinen ausdrücklichen Dank für die Arbeit im Netzwerk Straffälligenhilfe Baden-Württemberg aus.

Bericht: Julia Herrmann
Foto: Grüne Fraktion im Stuttgarter Landtag


Das Bild zeigt von links nach rechts:
Simon Letsche (Parlamentsrat Justiziar Fraktion GRÜNE im Landtag von Baden-Württemberg),
Horst Belz (Mitglied der Steuerungsgruppe/ Geschäftsführendes Vorstandsmitglied – Badischer Landesverband für soziale Rechtspflege),
Julia Herrmann (Mitglied der Steuerungsgruppe/ Geschäftsführerin Verband Bewährungs- und Straffälligenhilfe Württemberg e.V.),
Thomas Henschel (MdL, Die Grünen),
Jürgen Filius (MdL, Die Grünen),
Oliver Kaiser (Mitglied der Steuerungsgruppe / Der PARITÄTISCHE).


 

12. November 2018
Neuer Betreuungsbaustein im Nachsorgeprojekt Chance
 

Das Netzwerk Straffälligenhilfe in Baden-Württemberg etabliert als erstes Bundesland ein Angebot für Menschen die nach Freispruch aus Untersuchungshaft oder im Rahmen der Wiederaufnahme aus Strafhaft entlassen werden.

Die Inhaftierung hat für die betroffenen Menschen erhebliche Folgen, insbesondere wenn die Verurteilung in einem Wiederaufnahmeverfahren aufgehoben wird. Auf Anregung des Vereins Projekt Chance e.V. und des Ministeriums der Justiz und für Europa hat das Netzwerk Straffälligenhilfe in Baden-Württemberg GbR im Nachsorgeprojekt Chance einen eigenen Betreuungsbaustein erarbeitet, um künftig den Personenkreis „Personen, die nach Freispruch aus Untersuchungshaft oder im Rahmen der Wiederaufnahme aus Strafhaft entlassen werden“ in das Projekt mit aufzunehmen. Im Nachsorgeprojekt Chance bestehen bereits die notwendigen Strukturen, um den Personenkreis bedarfsgerecht zu betreuen, so Herr Stengel vom Ministerium der Justiz und für Europa  und Geschäftsführer des Trägervereins Projekt Chance e.V..

Bei der 26. Qualitätswerkstatt im Nachsorgeprojekt Chance wurde der neue Betreuungsbaustein vorgestellt und mit zwei Experten diskutiert.


Herr Beck Oberstaatsanwalt von der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart

Herr Beck von der Generalstaatsanwaltschaft in Stuttgart referierte über die Entschädigungspraxis in Württemberg. Anhand von praktischen Beispielen ermöglichte Herr Beck den Teilnehmer/innen einen Einblick, mit welchen Folgen die betroffenen Menschen zu kämpfen haben.


Frau Leuschner von der Kriminologischen Zentralstelle e.V.

Frau Leuschner von der Kriminologischen Zentralstelle e.V.  präsentierte den Teilnehmer/innen die Forschungsergebnisse der Studie „Rehabilitation und Entschädigung nach Vollstreckung einer Freiheitsstrafe und erfolgreicher Wiederaufnahme“.

Die kriminologische Zentralstelle ist die Forschungs- und Dokumentationseinrichtung des Bundes und der Länder und führt empirische Untersuchungen auch im Bereich der Strafrechtspflege durch.
Die Studie zur Rehabilitation und Entschädigung zu Unrecht inhaftierter Personen wurde in Deutschland von einigen Bundesländern in Auftrag gegeben.

Von 2015 – 2017 wurde mit Hilfe einer umfänglichen Aktenanalyse der einschlägigen Verfahren sowie der gezielten Befragung daran beteiligter Personen (u.a. Strafverteidigerinnen und Strafverteidiger, ehemals Inhaftierte, Richterinnen und Richter sowie Staatsanwältinnen und Staatsanwälte) ein Überblick über die möglichen Beeinträchtigungen der Betroffenen und deren Wünsche und Bedürfnisse im Rahmen einer staatlichen Unterstützung ermittelt. Es wurde festgestellt, dass die zum Teil langjährig Inhaftierten nach ihrer oft kurzfristigen Entlassung mit ihren Problemen alleingelassen werden und sie sich dadurch überfordert fühlen. Dem soll mit der Aufnahme in die bewährten Strukturen des Nachsorgeprojekts Chance Rechnung getragen werden. Neben den Freisprüchen nach einem Wiederaufnahmeverfahren sollen auch Personen erfasst sein, die nach einem Freispruch aus Untersuchungshaft entlassen werden, da insofern eine vergleichbare Interessenlage besteht.

Die Studienergebnisse können Sie unter folgendem Link einsehen: https://www.krimz.de/forschung/strafverfolgung/rehabilitation/

Frau Leuschner bedankt sich im besonderen Maße, dass das Netzwerk Straffälligenhilfe in Baden-Württemberg GbR die Forschungsergebnisse so zeitnah aufgegriffen und als erstes Bundesland die notwendigen Maßnahmen im Hinblick auf die Ergebnisse der Forschungsarbeit implementiert hat und so den betroffenen Menschen ein gezieltes Unterstützungsangebot zur Verfügung stellen kann. 
 
Bericht: Julia Herrmann

 

 


23. September 2018
Erste Erkenntnisse aus dem landesweiten Projekt zur Wiedereingliederung von älteren Gefangenen – Hilfe beim Übergang vom Vollzug in Pflege oder Betreuung
 
 

Im März 2018 konnte das neue Projekt zur landesweiten „Wiedereingliederung von älteren Gefangenen – Hilfe beim Übergang vom Vollzug in Pflege oder Betreuung“ implementiert werden. Mit den Praktikern/innen im Projekt fasst das Netzwerk Straffälligenhilfe in Baden-Württemberg nach sechs Monaten Projektlaufzeit die ersten Erkenntnisse zusammen. 

Nach oft jahrelanger Inhaftierung haben ältere Inhaftierte meist keine sozialen Kontakte mehr. Sie finden sich in der Freiheit nicht mehr zurecht und haben einen besonderen Betreuungsbedarf. Gerade weil sie aus dem Strafvollzug kommen, sind sie nur schwer in Alten- und Pflegeeinrichtungen zu vermitteln.

Das Netzwerk Straffälligenhilfe in Baden-Württemberg GbR hat für das Modellprojekt, in enger Abstimmung mit dem Justizministerium Baden-Württemberg und Vertreter/innen aus der Praxis, fünf Koordinierungsstellen eingerichtet die eine flächendeckende Beratung und Betreuung inhaftierter Menschen in Baden-Württemberg sicherstellen. Gleich zu Projektbeginn konnte das Netzwerk Straffälligenhilfe in Baden-Württemberg GbR die Begutachtung von Inhaftierten zur Feststellung des Pflegegrads mit dem medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) klären. Damit wurde die Voraussetzung für einen nahtlosen Übergang von Haft in Pflegeinrichtungen geschaffen.

Nach den ersten sechs Monaten Projektlaufzeit konnten bereits 21 Betreuungsfälle registriert werden.  Erste Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass die Fälle und damit verbundenen Problemkonstellationen sehr unterschiedlich sind. Die Aufgaben reichen von der Sicherstellung der medizinischen Versorgung, dem Anregen einer gesetzlichen Betreuung, der Feststellung von Pflegegraden, bis hin zur Unterbringung in geeignete Einrichtungen.

Durch die einzelnen Koordinierungsstellen konnten vor Ort Kooperationsstrukturen aufgebaut und erste Anschlussunterbringungen für die Zeit nach der Entlassung organisiert werden.

Die ersten Ergebnisse bestätigen, dass das Projekt im Rahmen des Übergangsmanagements die organisationsübergreifende soziale Wiedereingliederung von älteren Gefangenen unterstützt und somit eine besonders intensive Betreuungsphase während der Zeit des Übergangs aus dem Vollzug in die Freiheit und darüber hinaus leistet.
 
*Projektträger ist der Verein Projekt Chance e.V.. Finanziert wird das Projekt mit einem Zuschuss von 500.000 Euro durch die Baden-Württemberg Stiftung und mit 120.000 Euro durch die Lechler Stiftung.
 
Bericht: Julia Herrmann


15. Oktober 2018
„Schuldenberatung in Haft“ nahezu flächendeckend in Baden-Württemberg etabliert
 

Das Netzwerk Straffälligenhilfe in Baden-Württemberg zieht bei der 3. Qualitätswerkstatt eine erste Bilanz. Seit Projektbeginn am 01.07.2017 haben 16 Vereine der freien Straffälligenhilfe an 14 Justizvollzugsanstalten das Projekt „Schuldnerberatung in Haft“ etabliert. Die ersten Erfahrungen zeigen, dass der Bedarf für Hilfestellungen im Umgang mit Schulden bei straffälligen Menschen immens groß ist.

Schon in den ersten 15 Monaten des Projekts haben 520 Gefangene das Betreuungsangebot nachgefragt. 215 Beratungsvorgänge konnten bereits vollständig abgeschlossen werden. Dabei wurden 1825 Gläubiger mit Forderungen von insgesamt 9,8 Millionen Euro erfasst.

Auch die Zahlen hinsichtlich der Beteiligung der Klienten am Projekt sind sehr erfreulich. 41% zeigten nach Einschätzung der Projektmitarbeiter/innen eine gute Mitwirkung bei der Schuldnerberatung. 27% zeigten sogar eine konstante, sehr gute Beteiligung an diesem Prozess.

Die Einschätzung der Klienten selbst bestätigte den Nutzen und den Erfolg des Projekts erneut. 40% der Klienten gaben an, dass sich ihre Situation und ihre Perspektive durch das Projekt verbessert haben. 37% bestätigten sogar, dass ihre Situation sehr viel besser geworden ist.

Das Resümee des Netzwerks Straffälligenhilfe in Baden-Württemberg GbR ist eindeutig. Mit Hilfe eines Zuschusses des Landes in Höhe von 275.000 Euro im ersten Jahr und weiteren 100.000 Euro im zweiten Jahr konnte die „Schuldnerberatung in Haft“ flächendeckend etabliert werden. Somit wurde ein bislang noch fehlender Resozialisierungsbaustein ergänzt, welcher von den Vertragspartnern der „Kooperationsvereinbarung über die Integration von Strafgefangenen und Sicherungsverwahrten in Baden-Württemberg“ vom 12.12.2016 als zielführend erachtet wurde. Das Projekt trifft in der Praxis jedoch auf einen immensen Bedarf, welcher auch in Zukunft im Sinne einer erfolgreichen Resozialisierung bedient werden muss.
 

Bericht: Julia Herrmann

26. Juni 2018
Ehrenmitglied Dr. Reiner Haehling von Lanzenauer wird 90 Jahre alt

Vor nun bald 60 Jahren begann das ehrenamtliche Engagement von Dr. Reiner Haehling von Lanzenauer in der freien Straffälligenhilfe. 1960 wurde der noch junge Richter Stellvertretender Vorsitzender des Bezirksvereins für Gefangenenfürsorge und Bewährungshilfe Bühl/Achern. Ihm war bewusst, dass Urteil und Vollstreckung nicht das letzte Wort auf strafrechtliches Fehlverhalten sein durfte. Als Gerichtshilfereferent bei der Staatsanwaltschaft Karlsruhe wirkte er 1966 bei der Einführung der Gerichtshilfe mit. Seit 1967 war er Mitglied des Vorstandes des Badischen Landesverbandes für soziale Rechtspflege, dessen Stellvertretender Vorsitzender er 1971 wurde. Bereits zu dieser Zeit nahm Dr. Haehling von Lanzenauer maßgeblichen Einfluss auf Hilfeleistungen, die sich an den Bedürfnissen der Straffälligen orientierten. Mit einer Denkschrift über die Verwendung des Kauferlöses des Wichernhofes wies er den Weg für den Erwerb von Häusern und Wohnungen, in denen teilstationäre Einrichtungen der Straffälligenhilfe geschaffen wurden. Bis dahin hatten sich die Vereine in überkommenem Denken überwiegend mit Einzelfallhilfen begnügt. Was nötig war, um straffällig gewordene Mitmenschen wieder in die Gesellschaft einzugliedern, erfuhr der erfahrene Strafverfolger tagtäglich in seinem Amt als Leitender Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Baden-Baden. Von 1987 bis 1999 begleitete Dr. Haehling von Lanzenauer das Amt des Vorsitzenden des Badischen Landesverbandes. In diese Zeit fallen maßgebliche Weichenstellungen. An ihrem Ende konnte der Landesverband mit einem flächendeckenden Angebot an teilstationären Einrichtungen aufwarten. Daneben griff Dr. Haehling von Lanzenauer immer wieder neue Gedanken auf. So setzte er sich für die finanzielle Unterstützung des Modellprojekts zum Täter-Opfer-Ausgleich aus Verbandsmitteln für weitere zwei Jahre ein, als 1993 keine Mittel mehr aus dem Landeshaushalt zur Verfügung standen. Auf seine Anregung hin kam es 1994 zur Gründung eines Trägervereins für eine Europäische Anlaufstelle für Straffällige in Straßburg, einer damals zukunftsweisenden grenzüberschreitenden Sozialarbeit, und im Zuge der deutschen Wiedervereinigung zur Gründung des Sächsischen Landesverbandes für soziale Rechtspflege, welcher weitgehend die badische Satzung rezipierte. Dies alles wurde unter Wahrung der Selbstständigkeit des Badischen Landesverbandes erreicht und war begleitet von zahlreichen Publikationen zu aktuellen und zeitgeschichtlichen Themen in der Straffälligenhilfe. Ungebrochen bis heute ist von Haehling‘s reiche schriftstellerische Tätigkeit zu lokalen, regionalen, meist historischen Gegebenheiten, in Sonderheit zu rechtsgeschichtlichen Themen. Besondere Beachtung finden dabei seine Beiträge zur Justizgeschichte im Bereich des Oberlandesgerichts Karlsruhe. Für sein Engagement in der Straffälligenhilfe, für die vielen weiteren ehrenamtlichen Tätigkeiten und für sein literarisches Schaffen verlieh ihm der Bundespräsident 1999 das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Zahlreiche weitere Ehrungen durfte der Jubilar für sein Lebenswerk erfahren.

Anlässlich seiner Ernennung zum Ehrenmitglied unseres Verbandes im Jahr 1999 mahnte Dr. Haehling von Lanzenauer,unser Wissen in die Öffentlichkeit hinaus zu tragen, um breites Verantwortungsbewusstsein für den gestrauchelten Mitmenschen zu wecken. Eine zwischenzeitlich durch veränderte gesellschaftliche Verhältnisse erneut gewandelte Straffälligenhilfe wurzelt im Denken und Handeln des Jubilars.

Ihm, der an der Tätigkeit unseres Verbandes noch immer reges Interesse hat, wünschen wir von Herzen noch viele Jahre bei guter Gesundheit.

Dr. Karl-Michael Walz
(Vorsitzender)

 


26. Apr. 2018

Mitgliederversammlung des badischen Landesverbandes für soziale Rechtspflege am 26. April 2018 in Mannheim

Am 26. April 2018 fand in Mannheim die jährliche Mitgliederversammlung des badischen Landesverbandes für soziale Rechtspflege statt.

Der Vorsitzende Dr. K.M. Walz konnte in seinem Jahresbericht hinsichtlich der Entwicklung des Bußgeldaufkommens im Jahr 2017 positive Zahlen vermelden: Die Entwicklung der Bußgeldeingänge war in den Mitgliedsvereinen erfreulich. In seinem Geschäftsbericht ging der Vorsitzende insbesondere auf die positive Entwicklung der landesweiten Projekte ein.

Schwitzen statt Sitzen, das Projekt Chance und das Eltern-Kind-Projekt. Die Zahlen im Projekt „Schwitzen statt Sitzen“ sind beeindruckend: 2017 wurden landesweit 770.358Arbeitsstunden geleistet. Hierdurch wurden 136.730 Hafttage – jeder kostet über 100 € pro Tag und Häftling – eingespart, das wiederum heißt mehr als 13,7Millionen Euro. Dies wiederum bedeutet Einsparung von 417Haftplätzen. Die erbrachte Arbeitsleistung entspricht dem von 480 Vollzeitarbeitsplätzen.

Im Projekt Chance, erhalten jungeStraffällige, insbesondere von zu Jugendstrafe verurteilte junge Menschen Hilfen zur Wiedereingliederung in Staat und Gesellschaft und beim Einstieg in die Berufswelt. 2017 wurden landesweit 375Fälle bearbeitet.

Auch das Eltern-Kind-Projekt hat sich landesweit fest etabliert. In ihm geht um die Betreuung von Kindern Inhaftierter. Die Kinder von einsitzenden Vätern und Mütter sind von der Haft ohne eigenes Verschulden besonders betroffen. Ziel des Projekts ist es, den Inhaftierungsschock zu mildern, lange Trennungen zu überbrücken und die Rückkehr der Inhaftierten nach der Entlassung zu erleichtern. 2017 betreuten 23Vereine in 17von 18 Vollzugsanstalten 230Fälle mit 529betroffenen Personen.

Der Vorsitzende Dr. K.M. Walz ging auch auf die beiden neuen landesweiten Projekte ein:

Schuldenberatung in Haft. Das neue Projekt startete im Juli 2017 in eine dreijährige Versuchsphase. 2017 und 2018 wurden hierzu aus dem badischen und württembergischen Verband insgesamt 20 Mitarbeiter/innen aus den Mitgliedsvereinen zu Schuldnerberatern zertifiziert, die nunmehr in allen Vollzugseinrichtungen qualifizierte Schuldnerberatung bei den Inhaftierten realisieren.

Die Betreuung älterer Gegangener nimmt an Bedeutung zu. Wie wichtig die Wiedereingliederung älterer Gefangener geworden ist, zeigt der prozentuale Anteil der Gefangenen über 60 Jahre. Waren es im Jahr 2000 nur 2,2 %, stieg der Anteil im Jahr 2016 auf 4,8 %. Daher läuft seit geraumer Zeit auch hier ein entsprechendes Projekt an.

 

Bei der gut besuchten öffentlichen Veranstaltung am Nachmittag betonten die beiden Gastredner der Mannheimer Justiz, Herr Präsident Landgericht Mannheim Maurer und Herr Leitender Oberstaatsanwalt Schwarz, den hohen Stellenwert der Arbeit der Bezirksvereine um die Wiedereingliederung straffällig gewordener Menschen.

Zum Ausklang der diesjährigen Mitgliederversammlung referierte Herr Christian Zorn (M.A.) aus Berlin mit einem Fachvortrag zu einem interessanten Themenbereich. Herr Zorn ist Kriminologe und Kriminalhauptkommissar. Sein Vortrag mit dem Titel „Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser!?“ war höchst spannend und aufschlussreich, denn der Referent gab einen Einblick in seine Ermittlungsarbeit und wie man Zugang findet, auch zu schwierigster Klientel.

                                                                                                                        W.W.

 


18. Apr. 2018

 

Der Verband Bewährungs- und Straffälligenhilfe Württemberg e.V. richtete am 18.04.2018 mit seinen 22 angeschlossenen Mitgliedsvereinen die Mitgliederversammlung sowie anschließend eine öffentliche Veranstaltung aus.
 
Der Vorstandvorsitzende Generalstaatsanwalt Achim Brauneisen und die Geschäftsführerin Julia Herrmann legten in ihrem Bericht die Entwicklungen des Vorjahres dar und gaben einen Ausblick auf die geplanten Maßnahmen und zukünftigen Herausforderungen in der Vereinslandschaft.Insgesamt verzeichnet der Verband ein erfolgreiches Geschäftsjahr in dem, neben der Weiterführung der Kernaufgaben des Verbands, zwei neue Projekte in der Vereinslandschaft implementiert und wesentliche Veränderungsprozesse angestoßen werden konnten, um auch in Zukunft mit den angeschlossenen Mitgliedsvereinen eine starke Hilfelandschaft abzubilden.
 

17.April2018

Immer mehr alte Menschen im Justizvollzug
Freie Straffälligenhilfe hilft beim Übergang vom Vollzug in Pflege oder Betreuung
Neues flächendeckendes Angebot der „Schuldenberatung in Haft“. 
Im Jahr 2017 war es das zentrale Anliegen des Verbands Bewährungs- und Straffälligenhilfe Württemberg e.V. mit seinen 22 Mitgliedsvereinen, die Hilfen für zu entlassende Straftäter beim Übergang vom Strafvollzug in die Freiheit stetig weiter zu verbessern. Zusätzlich zu seinen etablierten Angeboten für Arbeit, Wohnen und Grundsicherung startete der Verband im Rahmen des Netzwerks 

Straffälligenhilfe Baden-Württemberg dazu im März 2018 das neue Projekt zur landesweiten „Wiedereingliederung von älteren Gefangenen – Hilfe beim Übergang vom Vollzug in Pflege oder Betreuung“.
Seit der Jahrtausendwende hat sich der Anteil der über 60-Jährigen mehr als verdoppelt.

Angesichts dieser Entwicklung hat der Strafvollzug zunehmend mit älteren Gefangenen zu tun. So ist die Zahl der Gefangenen ab 60 Jahren heute mehr als zweieinhalb Mal so hoch wie noch im Jahr 1993. Während im Jahr 1993 in den baden-württembergischen Gefängnissen nur 92 Gefangene über 60 Jahre alt waren, lag die Zahl im Jahr 2003 bereits bei 175 und im Jahr2016 schon bei 243 (Stichtag jeweils der 31. März). 

Gesamter Artikel

Bericht: Julia Herrmann


09. Mär. 2018

Vom 05. bis 09.März 2018 fand in der Kath. Akademie der Erzdiözese Stuttgart/Rottenburg in Weingarten der 2. Teil des Zertifikats-Kurses „Schuldnerberatung in Haft“ statt. Alle Teilnehmer/innen haben die Qualifikation erlangt und können nunmehr die externe Schuldnerberatung in den baden-württembergischen Justizvollzugsanstalten realisieren.

Die Teilnehmer/innen des insgesamt 10-tägigen Kurses kamen aus dem badischen und württembergischen Mitgliedsvereinen im Netzwerk Straffälligenhilfe Baden-Württemberg. Die qualifizierte und anspruchsvolle Fortbildung wurde geleitet von Prof. Dr. Dieter Zimmermann (rechtliche Grundlagen der Schuldnerberatung) und Dipl. Sozialarbeiter Willi Wilhelm (praktische Umsetzung im Projekt „Schuldnerberatung in Haft“).

 

Das Bild zeigt alle Absolventen/innen und die beiden Dozenten am Abschlusstag.

Bericht: W. Wilhelm


 

05. Mär. 2018

Justizminister Guido Wolf hat dem früheren Amtsgerichtsdirektor Karl-Michael Walz das Bundesverdienstkreuz überreicht und dessen Verdienste in der freiwilligen Straffälligenhilfe und um den Opferschutz gewürdigt.

Baden-Württembergs Minister der Justiz und für Europa Guido Wolf hat Amtsgerichtsdirektor a.D. Dr. Karl-Michael Walz im Stuttgarter Justizministerium am Schillerplatz das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte die Auszeichnung Dr. Walz für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement in der freiwilligen Straffälligenhilfe verliehen.

Hier gehts weiter zum gesamten Bericht

Bericht: Julia Herrmann


20. Feb. 2018

Im Strafvollzug sind immer mehr Menschen inhaftiert, die bereits das Rentenalter erreicht haben. Seit der Jahrtausendwende hat sich der Anteil der über 60`zig jährigen mehr als verdoppelt (Quelle: Statistisches Bundesamt). 

Nach oft jahrelanger Inhaftierung haben ältere Inhaftierte keinerlei soziale Kontakte, um sich in Freiheit zurecht zu finden und haben darüber hinaus einen besonderen Betreuungsbedarf, sind jedoch bspw. in Alten- und Pflegeeinrichtungen oft nur schwer zu vermitteln. Bereits die Feststellung des Pflegegrades in Haft führt häufig zu Zuständigkeitsproblemen, die den Übergang in eine adäquate Hilfeeinrichtung erschweren. Zudem bestehen in der Praxis oft Unsicherheit und Vorbehalte gegenüber dem Personenkreis und dessen Betreuung. Das Projekt unterstützt im Rahmen des Übergangsmanagements die organisationsübergreifende soziale Wiedereingliederung von älteren Gefangenen und leistet somit eine besonders intensive Betreuungs- und Nachsorgephase während der Zeit des Übergangs aus dem Vollzug in die Freiheit und darüber hinaus.

 
 
Bericht: Julia Herrmann

15. Dez. 2017
Im Rahmen einer Arbeitssitzung in der JVA Stuttgart besuchten die beiden Landesverbände (der Badische Landesverband für soziale Rechtspflege sowie der Verband Bewährungs- und Straffälligenhilfe Württemberg e.V.) den Neubau der Justizvollzugsanstalt in Stuttgart. Die Justizvollzugsanstalt in Stuttgart Stammheim wurde im Jahr 1964 mit zwei Hafthäusern in Betrieb genommen. In dem neuen lichtdurchfluteten Baukörper entstehen nun 559 neue Haftplätze in denen die Aufgaben eines modernen Strafvollzugs optimal umgesetzt werden können. Das Farbkonzept wirkt dabei unterstütze

nd und schafft eine freundliche Atmosphäre in den Gängen und zugleich klare Strukturen sowie eine eindeutige Orientierung im Neubau.

Erprobung des Videodolmetschens in der JVA Stuttgart 
Die beiden Landesverbände erhielten darüber hinaus einen Einblick in das Pilotprojekt „Videodolmetschen“ des Justizministeriums. Dies unterstützt die Kommunikation mit nicht Deutsch sprechenden Gefangenen. Häufig ist eine Verständigung in deutscher Sprache unmöglich.
Hierbei soll das Videodolmetschen den Vollzugsalltag erleichtern. Der Anstaltsleiter Matthias Nagel berichtete über die Pilotphase. Gerade bei der Aufnahme ist die Verständigung mit den Inhaftierten von grundlegender Bedeutung. Dies baut Ängste ab, schafft in hohen Maße Orientierung für die Inhaftierten und dient demzufolge auch der Sicherheit der Bediensteten. Das Dolmetschen per Live-Übertragung über ein Tablet ermöglicht die Unterstützung durch einen Dolmetscher innerhalb von wenigen Minuten. Eines zeigt das Pilotprojekt bereits heute: mit der Einführung des Videodolmetschens wird sich die Betreuung und Behandlung von ausländischen Gefangenen voraussichtlich deutlich verbessern.
Bericht: Julia Herrmann

16. Nov. 2017

Am 16.11.2017 tagte die Arbeitsgruppe „Moderner Strafvollzug“ im Rahmen der dritten Sitzung im Haus der Abgeordneten in Stuttgart.

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe setzen sich unter der Leitung der rechtspolitischen Sprecher der Fraktionen GRÜNE Jürgen Filius MdL und der CDU Dr. Bernhard Lasotta MdL aus dem Justizministerium, dem Netzwerk Straffälligenhilfe Baden-Württemberg, der Bewährungs- und Gerichtshilfe Baden-Württemberg, einem Vertreter der Angelegenheiten der Bediensteten – Ver.di, dem Zentrum für Psychiatrie, Anstaltsleiter/innen der Justizvollzugsanstalten sowie weitere Vertreter des Justizvollzugs zusammen.

Mit der Arbeitsgruppe „Moderner Straffvollzug“ kommen Personen der Praxis zu Wort, wenn es um die zukünftige Vollzugsgestaltung geht. Die Erarbeitung eines Gesamtkonzepts zur medizinischen und psychologischen Betreuung von Gefangenen stellt dabei einen wesentlichen Schwerpunkt der Arbeitsgruppe dar. Bei der Resozialisierung und Hilfestellung für Gefangene auf dem Weg zurück in ein straffreies Leben brachte
das Netzwerk Straffälligenhilfe in Baden-Württemberg GbR seine umfangreiche Expertise ein und verdeutlichte die bereits bestehenden Strukturen und Leistungsangebote, die durch die angeschlossenen Vereine in ganz Baden-Württemberg sichergestellt werden. In diesem Zusammenhang wurde auch die Kooperationsvereinbarung erörtert, welche verbindliche Strukturen bei der Integration von Straffälligen und Sicherheitsverwahrten in Baden-Württemberg schafft. Die rechtspolitischen Sprecher der Fraktionen stellten in Aussicht, zunächst die Umsetzung der Kooperationsvereinbarung abzuwarten, diese zu evaluieren und in diesem Kontext die Diskussion über ein Resozialisierungsgesetz zunächst zurück zu stellen. In der nächsten Sitzung sollen dann u.a. die Veränderungen durch die Kooperationsvereinbarung wie auch die Maßnahmen zur Haftvermeidung und Haftverkürzung auf die Tagesordnung gesetzt werden. Auch hieraus wird deutlich, wie wichtig es ist, dass die flächendeckende Umsetzung der Kooperationsvereinbarung erfolgreich verläuft.

Die rechtspolitischen Sprecher der Fraktionen GRÜNE Jürgen Filius MdL und der CDU Dr. Bernhard Lasotta MdL sprachen ihren ausdrücklichen Dank für die Arbeit im Netzwerk Straffälligenhilfe Baden-Württemberg aus.
 


13. Nov. 2017

Die Kooperationsvereinbarung zur Integration von Strafgefangenen und Sicherheitsverwahrten in Baden-Württemberg ist am 12.12.2016 in Kraft getreten und verzeichnete bereits im Jahr 2017 wahrnehmbare Erfolge. Die Kooperationsvereinbarung schafft verbindliche Strukturen der Zusammenarbeit und ermöglicht ein fundiertes Übergangsmanagement hinsichtlich der wesentlichen Elemente – Arbeit, Wohnen und Grundsicherung.

Zur Kooperationsvereinbarung

Am 13.11.2017 kam die Steuerungsgruppe der Kooperationsvereinbarung, bestehend aus dem Sozialministerium, Wirtschaftsministerium, Landkreistag, Städtetag, Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Liga der freien Wohlfahrtspflege, Bewährungs- und Gerichtshilfe, Vertreter der Justizvollzugsanstalten sowie das Netzwerk Straffälligenhilfe in Baden-Württemberg erstmalig nach dem Inkrafttreten der Vereinbarung unter der Federführung des Justizministeriums zusammen und zog anhand der ersten Erkenntnisse und Erfahrungen Bilanz.

Die Berichte über den aktuellen Stand der Umsetzung aus den verschiedenen Blickwinkeln ermöglichen es, den abzuleitenden Handlungsbedarf für die weitere Verstetigung festzuschreiben. Die Kooperationsvereinbarung ist die Grundlage für die Festlegung der konkreten Ansprechpartner/innen im gesamten Netzwerk. Zugleich bestimmt sie das Zusammentreffen und die Vernetzung der regionalen Kooperationspartner an allen Standorten der Justizvollzugsanstalten im Land. Dadurch wurden bereits spürbare Verbesserungen im Übergangsmanagement, beispielsweise hinsichtlich der Mietkostenübernahme, erreicht. Zukünftig sollen die geschaffenen Strukturen der Kooperationsvereinbarung weiter aufgebaut und verstetigt werden. Vor Ort sollen individuelle Kooperationsvereinbarungen geschlossen werden. Mittelfristig plant die Steuerungsgruppe, die Strukturen der Vernetzung und die Praxistauglichkeit der Kooperationsvereinbarung zu evaluieren.

Abschließend zieht die Steuerungsgruppe das Resümee, dass sich die Kooperationsvereinbarung als ein wichtiger Impuls für ein erfolgreiches Übergangsmanagement erweist. Es geht nun darum, die Aktivitäten der Zusammenarbeit der beteiligten Akteure vor Ort Schritt für Schritt auszubauen und dort, wo bisher noch eher wenig Aktivitäten entfaltet wurden, die ersten Schritte mit Energie anzugehen. Wir vom Verband und vom Netzwerk wollen diesen wichtigen Prozess unterstützen. So gelebt wird das Projekt greifbare Erfolge in der Begleitung von strafgefangenen Menschen in ein Leben in Freiheit bringen. Wir bitten alle unsere Partner um eine aktive und nachhaltige Unterstützung.